Schlacht von Culloden: Verlauf, Ursachen und Folgen der jakobitischen Niederlage

by Lea Becker
schlacht von culloden

Die Schlacht von Culloden war die entscheidende Auseinandersetzung des Jakobitenaufstands von 1745. Am 16. April 1746 besiegte eine britische Regierungsarmee unter William Augustus, Duke of Cumberland, die Truppen von Charles Edward Stuart – bekannt als Bonnie Prince Charlie – auf dem Drumossie Moor bei Inverness. Der Kampf dauerte weniger als eine Stunde, forderte aber etwa 1.600 Todesopfer. Rund 1.500 von ihnen gehörten zur jakobitischen Seite.

Culloden gilt als die letzte offene Feldschlacht auf britischem Boden. Sie beendete nicht nur den Aufstand, sondern leitete auch eine Phase harter staatlicher Repression in den schottischen Highlands ein. Die häufig erzählte Vorstellung, bei Culloden hätten schlicht „Schotten gegen Engländer“ gekämpft, ist jedoch historisch falsch. Tatsächlich standen auf beiden Seiten Schotten, während auch Engländer, Iren und Franzosen beteiligt waren.

Die wichtigsten Fakten zur Schlacht von Culloden

MerkmalHistorische Angabe
Datum16. April 1746
SchauplatzDrumossie Moor bei Inverness, Schottland
KonfliktJakobitenaufstand von 1745/46
Jakobitischer AnführerCharles Edward Stuart
Oberbefehlshaber der RegierungWilliam Augustus, Duke of Cumberland
Truppenstärkeungefähr 5.000 bis 6.000 Jakobiten gegen rund 7.000 Regierungssoldaten
ErgebnisEntscheidender Sieg der britischen Regierung
Dauerweniger als eine Stunde
Toterund 1.600, davon etwa 1.500 Jakobiten
Historische BedeutungEnde des letzten Jakobitenaufstands

Bei den Truppenstärken und Verlustzahlen unterscheiden sich historische Darstellungen teilweise. Das liegt an unvollständigen Listen, Deserteuren und der schwierigen Erfassung von Verwundeten und Gefangenen. Sicher ist jedoch, dass die Verluste der Jakobiten um ein Vielfaches höher waren als jene der Regierungsarmee.

Warum kam es zur Schlacht?

Die Ursprünge des Konflikts reichen bis zur Glorious Revolution von 1688 zurück. Damals verlor der katholische König Jakob II. von England, der zugleich als Jakob VII. über Schottland herrschte, seine Throne. An seine Stelle traten Wilhelm III. und Maria II. Später gelangte das protestantische Haus Hannover auf den britischen Thron.

Anhänger der abgesetzten Stuart-Dynastie wurden als Jakobiten bezeichnet. Der Name leitet sich von der lateinischen Form „Jacobus“ für Jakob ab. Ihr Ziel war die Wiederherstellung der Stuarts als Herrscher von England, Schottland und Irland.

Charles Edward Stuart war ein Enkel Jakobs II. und Sohn des im Exil lebenden Thronprätendenten James Francis Edward Stuart. Im Sommer 1745 landete Charles in den schottischen Highlands. Er wollte seinen Vater als König einsetzen und hoffte dabei auf Unterstützung aus Schottland, England und Frankreich.

Anfangs war der Aufstand erstaunlich erfolgreich. Die Jakobiten nahmen Edinburgh ein und besiegten am 21. September 1745 bei Prestonpans eine Regierungsarmee. Anschließend marschierten sie nach England und erreichten im Dezember Derby. London lag nur noch etwa 200 Kilometer entfernt.

Die erhoffte breite Unterstützung englischer Jakobiten blieb allerdings aus. Auch eine größere französische Invasion kam nicht zustande. Die Führung des Aufstands entschied deshalb, sich nach Schottland zurückzuziehen. Charles Edward Stuart widersetzte sich dem Rückzug, konnte sich gegen seine Offiziere aber nicht durchsetzen.

Nach dem Rückmarsch gewann die jakobitische Armee am 17. Januar 1746 noch die Schlacht bei Falkirk. Diesen Erfolg konnte sie jedoch nicht dauerhaft nutzen. Versorgungsschwierigkeiten, Desertionen und der zunehmende militärische Druck der Regierung schwächten ihre Position.

Wer kämpfte bei Culloden gegeneinander?

Auf jakobitischer Seite standen zahlreiche Regimenter aus den Highlands, darunter Angehörige der Clans Cameron, MacDonald, Fraser, Stewart und Chattan. Hinzu kamen schottische Lowlander sowie französisch-irische und französisch-schottische Einheiten in französischen Diensten.

Die Bewegung war keineswegs ausschließlich katholisch. Unter den Jakobiten befanden sich Katholiken, Angehörige der schottischen Episkopalkirche und weitere Unterstützer, die aus dynastischen, politischen oder persönlichen Gründen für die Stuarts kämpften.

Die Regierungsarmee stand unter dem Duke of Cumberland, einem Sohn König Georgs II. Auch sie war kein rein englisches Heer. In ihren Reihen dienten englische, schottische und andere britische Soldaten. Zudem unterstützten regierungstreue Highland-Clans wie die Campbells die hannoversche Seite.

Culloden war daher keine nationale Schlacht zwischen Schottland und England. Im Mittelpunkt stand ein dynastischer und politischer Machtkampf um die britische Krone. Regionale Rivalitäten, religiöse Bindungen und die Loyalität einzelner Familien oder Clans spielten ebenfalls eine Rolle.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Nicht alle Highlander waren Jakobiten, nicht alle Jakobiten stammten aus den Highlands und nicht alle Schotten unterstützten Charles Edward Stuart.

Wie verlief die Schlacht von Culloden?

Am Abend vor der Schlacht wollten die Jakobiten das Regierungslager bei Nairn überraschend angreifen. Das Unternehmen scheiterte. Die erschöpften Truppen kamen auf den schlechten Wegen zu langsam voran und mussten umkehren, bevor sie ihr Ziel erreichten.

Viele Männer hatten kaum geschlafen und waren nur unzureichend versorgt. Ein Teil der jakobitischen Armee erreichte das Schlachtfeld nicht rechtzeitig. Trotzdem entschied sich die Führung, auf dem offenen und stellenweise nassen Drumossie Moor den Kampf anzunehmen.

Am 16. April rückte Cumberlands Armee in geordneter Formation an. Seine Truppen waren besser versorgt, disziplinierter und in der Abwehr des gefürchteten Highland-Angriffs geschult. Die Regierung verfügte außerdem über wirkungsvolle Artillerie.

Zu Beginn beschossen sich die Armeen mit Kanonen. Die jakobitische Artillerie war zahlenmäßig unterlegen und weniger effektiv. Dennoch verging wertvolle Zeit, bevor Charles Edward Stuart den Angriff befahl. Währenddessen mussten seine Männer nahezu bewegungslos im gegnerischen Feuer ausharren.

Der anschließende Highland Charge verlief nicht geschlossen. Unebener, feuchter Boden, Rauch, Beschuss und die ungünstige Aufstellung brachten Teile der jakobitischen Linie durcheinander. Auf dem rechten Flügel gelang es einigen Highland-Regimentern dennoch, bis zu den Regierungslinien vorzudringen und dort schwere Verluste zu verursachen.

Cumberlands Infanterie antwortete mit disziplinierten Musketensalven und Bajonetten. Artillerie und Kartätschenfeuer rissen große Lücken in die angreifenden Reihen. Andere Teile der jakobitischen Linie kamen nicht mit gleicher Kraft zum Einsatz. Als Regierungskavallerie und Infanterie die Flanken bedrohten, brach die Formation zusammen.

Einheiten in französischen Diensten deckten den Rückzug und ermöglichten vielen Jakobiten die Flucht. Der eigentliche Kampf war nach weniger als einer Stunde entschieden.

Warum verloren die Jakobiten?

Die Niederlage hatte nicht nur eine Ursache. Mehrere militärische und logistische Nachteile kamen gleichzeitig zusammen:

  • Die Jakobiten waren hungrig, übermüdet und teilweise noch vom gescheiterten Nachtmarsch zerstreut.
  • Ihre Armee war kleiner als die gut versorgte Regierungstruppe.
  • Cumberland verfügte über überlegene Artillerie und besser aufeinander abgestimmte Einheiten.
  • Der jakobitische Angriff begann verspätet und entwickelte sich nicht entlang der gesamten Front einheitlich.
  • Der offene Kampfplatz begünstigte das organisierte Musketen- und Artilleriefeuer der Regierungsarmee.
  • Zwischen Charles Edward Stuart und erfahrenen Offizieren wie Lord George Murray bestanden erhebliche Spannungen.
  • Die Regierungssoldaten waren gezielt darauf vorbereitet worden, einen Highland Charge abzuwehren.

Es wäre dennoch zu einfach, die Niederlage ausschließlich dem Moorboden oder einer einzigen Fehlentscheidung zuzuschreiben. Jakobitische Einheiten hatten bereits bewiesen, dass sie reguläre Truppen schlagen konnten. Bei Culloden trafen sie jedoch unter äußerst schlechten Ausgangsbedingungen auf eine vorbereitete, zahlenmäßig überlegene und professionell geführte Armee.

Auch die romantische Vorstellung eines Kampfes von Schwertkämpfern gegen moderne Musketiere führt in die Irre. Viele Jakobiten trugen selbst Feuerwaffen. Der wesentliche Unterschied lag weniger in einer völligen technologischen Rückständigkeit als in Versorgung, Ausbildung, Artillerie, taktischer Koordination und Feuerdisziplin.

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Tote, Verwundete und Gewalt nach der Schlacht

Die Verluste waren extrem ungleich verteilt. Nach Angaben des National Trust for Scotland starben innerhalb von weniger als einer Stunde ungefähr 1.600 Menschen, etwa 1.500 davon auf jakobitischer Seite. Für die Regierungsarmee werden häufig 50 Tote und 259 Verwundete genannt.

Nicht alle jakobitischen Opfer starben während des unmittelbaren Kampfes. Regierungstruppen verfolgten Flüchtende und töteten auch verwundete oder kampfunfähige Männer. Der Duke of Cumberland wurde wegen seines harten Vorgehens später von Gegnern als „Butcher Cumberland“, also „Schlächter Cumberland“, bezeichnet.

Gefangene wurden an verschiedenen Orten festgehalten. Die Haftbedingungen waren teilweise katastrophal. Einige Jakobiten wurden hingerichtet, andere in britische Kolonien deportiert oder nach Gerichtsverfahren freigelassen. Angehörige regulärer französischer Verbände wurden überwiegend als Kriegsgefangene behandelt und später ausgetauscht.

Die Behauptung, Culloden sei im streng militärischen Sinn ein geplantes Massaker und keine Schlacht gewesen, greift allerdings zu kurz. Es standen sich zwei formierte Armeen gegenüber. Die extrem ungleichen Verluste und die Gewalt gegen Verwundete und Flüchtende erklären jedoch, warum das Ereignis im kollektiven Gedächtnis häufig als Massaker wahrgenommen wird.

Charles Edward Stuart entkam vom Schlachtfeld. Nach einer monatelangen Flucht durch die Highlands und über die westschottischen Inseln gelangte er im September 1746 nach Frankreich. Er kehrte nie wieder zurück, um einen weiteren Aufstand in Großbritannien anzuführen.

Welche Folgen hatte Culloden für Schottland?

Militärisch bedeutete Culloden das Ende des Aufstands von 1745. Politisch verloren die Jakobiten ihren Status als ernsthafte Bedrohung für das Haus Hannover. Spätere Pläne zur Wiederherstellung der Stuarts führten zu keiner vergleichbaren Erhebung mehr.

Die britische Regierung ging anschließend systematisch gegen mögliche jakobitische Machtstrukturen vor. Waffen wurden eingezogen, Güter führender Unterstützer beschlagnahmt und Regierungstruppen in den Highlands stationiert. Neue Straßen und Befestigungen sollten die staatliche Kontrolle sichern.

Mit dem Heritable Jurisdictions Act von 1746 wurden traditionelle erbliche Gerichts- und Herrschaftsrechte schottischer Grundherren eingeschränkt oder aufgehoben. Der Act of Proscription verschärfte die Entwaffnung. Sein als Dress Act bekannter Teil verbot Männern und Jungen in weiten Teilen der Highlands das Tragen charakteristischer Highland-Kleidung einschließlich des Tartans. Ausnahmen bestanden unter anderem für Soldaten in königlichen Diensten. Das Kleidungsverbot wurde 1782 aufgehoben.

Diese Maßnahmen zielten auf politische Kontrolle und die Zerschlagung militärisch nutzbarer Loyalitätsnetzwerke. Der Alltag und die kulturelle Identität vieler Menschen in den Highlands wurden dadurch stark beeinträchtigt.

Trotzdem endete das Clanwesen nicht in einem einzigen Moment auf dem Schlachtfeld. Wirtschaftliche Veränderungen, der Übergang zu stärker kommerziell ausgerichtetem Landbesitz, Auswanderung und spätere Vertreibungen trugen über Jahrzehnte zum gesellschaftlichen Wandel bei.

Auch die Highland Clearances dürfen nicht als direkte Einzelmaßnahme nach Culloden verstanden werden. Sie setzten sich vor allem vom späten 18. bis ins 19. Jahrhundert fort und hatten unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Ursachen. Culloden und die anschließende Zentralisierung veränderten jedoch die politischen Rahmenbedingungen, unter denen dieser Wandel stattfand.

Culloden als Erinnerungsort und historischer Mythos

Das Schlachtfeld liegt wenige Kilometer östlich von Inverness und wird heute vom National Trust for Scotland betreut. Zu sehen sind unter anderem Gedenksteine, Massengräber, das historische Leanach Cottage und ein 1881 errichteter Gedenkstein in Form eines Cairns.

Die Clansteine auf dem Gelände helfen bei der Erinnerung, können aber einen missverständlichen Eindruck vermitteln. Die Aufstellung beider Armeen lässt sich nicht ausschließlich als Sammlung geschlossener Clanverbände erklären. Manche Einheiten waren gemischt, Familien waren politisch geteilt und zahlreiche Beteiligte passten nicht in das romantisierte Bild des Highland-Kriegers.

Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Wahrnehmung der Jakobiten. Aus einer einst bekämpften politischen Bewegung wurde zunehmend ein romantisches Symbol schottischer Geschichte. Literatur, Lieder sowie später Filme und Serien machten Bonnie Prince Charlie und Culloden international bekannt.

Moderne Darstellungen wie die Roman- und Fernsehserie „Outlander“ haben das Interesse erneut verstärkt. Sie ersetzen jedoch keine historische Einordnung. Besonders die Formel „Schotten gegen Engländer“ verdeckt die komplexen Loyalitäten beider Armeen.

Heute ist Culloden zugleich Schlachtfeld, Friedhof und Forschungsort. Archäologische Untersuchungen bringen weiterhin Musketenkugeln, Artilleriemunition und andere Objekte ans Licht. Solche Funde ermöglichen es, Truppenbewegungen und einzelne Kampfphasen genauer zu rekonstruieren.

Frequently Asked Questions

1. Wann fand die Schlacht von Culloden statt?
Die Schlacht wurde am 16. April 1746 auf dem Drumossie Moor bei Inverness ausgetragen.

2. Wer gewann die Schlacht von Culloden?
Die britische Regierungsarmee unter dem Duke of Cumberland besiegte die Jakobiten unter Charles Edward Stuart.

3. Wie lange dauerte die Schlacht?
Der entscheidende Kampf dauerte weniger als eine Stunde. Die anschließende Verfolgung der fliehenden Jakobiten ging darüber hinaus.

4. Wie viele Menschen starben bei Culloden?
Nach verbreiteten institutionellen Schätzungen starben ungefähr 1.600 Menschen. Etwa 1.500 von ihnen kämpften auf jakobitischer Seite.

5. Kämpften bei Culloden Schotten gegen Engländer?
Nein. Auf beiden Seiten dienten Schotten. Außerdem waren Engländer, Iren, Franzosen und weitere Soldaten beteiligt. Es handelte sich vor allem um einen dynastischen und politischen Konflikt.

6. Was geschah mit Bonnie Prince Charlie nach der Niederlage?
Charles Edward Stuart floh durch die Highlands und über die westschottischen Inseln. Im September 1746 entkam er nach Frankreich und verbrachte den größten Teil seines weiteren Lebens im Exil.

7. War Culloden die letzte Schlacht in Großbritannien?
Culloden gilt als die letzte offene Feldschlacht auf britischem Boden. Es war jedoch nicht der letzte bewaffnete Konflikt, an dem britische Truppen beteiligt waren.

Conclusion

Die Schlacht von Culloden beendete am 16. April 1746 den letzten großen Versuch, die Stuarts auf die britischen Throne zurückzubringen. Der Sieg der Regierungsarmee beruhte auf besserer Versorgung, überlegener Artillerie, disziplinierter Feuerkraft und den erheblichen Problemen der erschöpften Jakobiten.

Ihre Bedeutung reicht weit über den kurzen Kampf hinaus. Repressionen, Entwaffnung und die Einschränkung traditioneller Herrschaftsstrukturen veränderten das Leben in den Highlands. Zugleich wurde Culloden später zu einem zentralen Erinnerungsort schottischer Geschichte. Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigt, sollte besonders zwischen den historischen Fakten und der romantischen Darstellung in Romanen, Filmen und populären Legenden unterscheiden.

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